Einnahme

Wichtige Fragen zur Einnahme von Medikamenten

Im Folgenden möchten wir Angaben darüber machen und Erklärungen dafür abgeben, weshalb die Einnahmeart und der Einnahmezeitpunkt von Medikamenten keineswegs trivial sind. Ein Wirkstoff durchquert den Körper vom Mund zum After und kommt dabei mit der Nahrung, qualitativ unterschiedlichen Körperflüssigkeiten, diversen Gewebezelltypen und eventuell weiteren Medikamenten in Berührung. Das Zusammenspiel zwischen genannten äusseren Einflüssen und den chemischen und physikalischen Eigenschaften des jeweiligen Wirkstoffs nimmt einen zentralen Platz ein, wenn es um die Frage geht, wie schnell und in welcher Menge der Wirkstoff – im Blut transportiert - zu seinem Wirkungsort gelangt.
Entscheidend für eine nebenwirkungsfreie oder –arme Wirkungsentfaltung ist das kontrollierte Erreichen eines Blutspiegels (Menge des Wirkstoffes im Blut), der innerhalb der therapeutischen Breite liegt. Die therapeutische Breite ist die Spanne zwischen der minimalen Blutkonzentration des Wirkstoffes, ab welcher die gewünschte Wirkung eintritt, und der maximalen Blutkonzentration, ab welcher unerwünschte oder gar toxische Nebenwirkungen auftreten.


Einnahme Therapeutische Breite = Rosa Fläche Quelle: www.liberty.at

Warum müssen Medikamente manchmal vor und manchmal nach dem Essen eingenommen werden?

Es gibt Wirkstoffe, die fettlöslich sind und deshalb besser aufgenommen werden können, wenn sich Fett aus der Nahrung im Magen-Darm-Trakt befindet. Ein Beispiel dafür ist Itraconazol, ein rezeptpflichtiges Medikament gegen Pilz-infektionen. Es muss unmittelbar nach einer vollen, fetthaltigen Mahlzeit eingenommen werden. Wenn es auf leeren Magen eingenommen wird, kann nur ca. die Hälfte der für die Wirkung notwendigen Menge an Wirkstoff aufgenommen werden.
Manchmal lautet die Einnahmeempfehlung auch mit dem Essen, wenn der Magen vor aggressiven Wirkstoffen oder ein empfindlicher Wirkstoff vor der Magensäure geschützt werden soll. Andere Wirkstoffe werden vollständiger oder schneller aufgenommen, wenn sich keine Nahrung im Magen-Darm-Trakt befindet. Beispiele hierfür sind Norfloxacin und Penicillin V, beides Antibiotika, die an die Nahrung gebunden und deshalb weniger ins Blut aufgenommen werden können. Sie müssen mindestens 1 Stunde vor oder 2 Stunden nach dem Essen eingenommen werden, sonst liegt die Wirkstoffkonzentration im Blut unterhalb der therapeutischen Breite.

Am unkompliziertesten sind die Wirkstoffe, bei denen es keine Rolle spielt, ob man sie mit oder ohne Essen einnimmt. Trotzdem kann auch bei diesen Wirkstoffen die ins Blut aufgenommene Menge variieren, je nachdem ob man sie mit oder ohne Nahrung einnimmt. Deshalb erreicht man die ausgewogensten Blutspiegel durch die Einnahme in immer gleicher Weise (nicht einmal mit dem Essen und einmal z.B. 2 Stunden nach dem Essen) und immer zur gleichen Tageszeit.

Was bedeutet „auf nüchternen Magen“?

Auf nüchternen Magen bedeutet auf leeren Magen. Am wenigsten Nahrung hat es vor dem Frühstück im Magen, weil über Nacht meist während 6 bis 8 Stunden nichts gegessen wird. Wenn das Medikament aber direkt vor dem Frühstück eingenommen wird, ist es noch nicht vollständig ins Blut aufgenommen, wenn das Frühstück im Magen eintrifft. Die Nahrung kann nun den Wirkstoff in der Aufnahme behindern. Um dem Wirkstoff genügend Zeit zur Aufnahme in das Blut (man spricht von Resorption) zu geben, bedeutet auf nüchternen Magen also mindestens 1 Stunde vor dem Frühstück. Meist muss der Magen für die gute Resorption eines Wirkstoffes nicht vollständig leer sein, deshalb findet man oft die Anweisung: „Einnahme mindestens 1 Stunde vor oder 2 Stunden nach dem Essen“.

Was bedeutet „zwischen den Mahlzeiten“?

Mit Einnahme zwischen den Mahlzeiten ist eigentlich eine Einnahme auf möglichst leeren Magen gemeint. Der Zeitpunkt genau zwischen zwei Mahlzeiten ist der Zeitpunkt, an dem der Wirkstoff am meisten Zeit hat, ungestört von Nahrung aufgenommen zu werden. Die Nahrung der vorhergehenden Mahlzeit ist schon grösstenteils verdaut, und die Nahrung der folgenden Mahlzeit kommt erst später. Die Anweisung „mindestens 1 Stunde vor oder 2 Stunden nach dem Essen“ meint dasselbe, ist aber genauer und besser zu verstehen.
Achtung: Manchmal wird „zwischen den Mahlzeiten“ missverstanden und als „während dem Essen“ interpretiert. Wahrscheinlich weil man auf schweizer deutsch „zwüschet em ässe“ sagt.

Was bedeutet „mit dem Essen“?

Mit dem Essen heisst eigentlich unmittelbar vor, während oder unmittelbar nach dem Essen. Wichtig ist, dass sich der Wirkstoff zusammen mit Nahrung im Magen-Darm-Trakt befindet. Ob nun zuerst der Wirkstoff und kurz danach die Nahrung im Magen eintrifft, ob beide gleichzeitig im Magen eintreffen oder ob zuerst die Nahrung da ist und dann der Wirkstoff kommt, spielt keine Rolle.

Weshalb müssen einige Medikamente 3 oder 4 mal täglich und andere nur 1 mal pro Monat eingenommen werden?

Die Wirkstoffe werden unterschiedlich schnell aus dem Blut oder den Geweben abgebaut und über die Niere und/oder die Leber wieder aus dem Körper ausgeschieden. Damit die Wirkstoffe ihre erwünschte Wirkung ausüben können, braucht es eine bestimmte Konzentration im Blut. Je schneller der Gehalt an Wirkstoff im Blut nach der Einnahme wieder absinkt, desto schneller muss man eine erneute Dosis einnehmen. Gerade bei Antibiotika Therapien ist ein Absinken des Wirkstoffes unter eine bestimmte Schwelle gefährlich, da sich dann die Bakterien wieder ungehemmt vermehren können und die Erkrankung wieder schlechter wird. Penicillin Antibiotika muss man daher oft 3 mal täglich und dies gleichmässig über die 24 Stunden verteilt, d.h. alle 8 Stunden einnehmen.
Ein Beispiel eines Wirkstoffes, der nur 1 mal pro Monat eingenommen werden muss ist die Ibandronsäure, die zur Therapie der Osteoporose eingesetzt wird. Dieser Wirkstoff reichert sich in den Knochen an und wird extrem langsam abgebaut, daher reicht es für eine genügende Wirkung, wenn die Patienten nur 1 Tablette pro Monat einnehmen.
Die Dosierung, die für die Patienten am einfachsten einzuhalten ist und die auch am wenigsten vergessen wird, ist die 1 mal tägliche Einnahme.

Was heisst 1 mal täglich?

1 mal täglich heisst, dass das Medikament nur 1 mal in 24 Stunden eingenommen werden muss. Wichtig ist, dass es immer zur gleichen Tageszeit eingenommen wird, also nicht einmal morgens und dann wieder abends, weil auf diese Weise kein gleimässiger Blutspiegel erreicht werden kann.
Es ist auch wichtig, dass die Einnahme immer auf die gleiche Weise, d.h. vor, mit oder nach dem Essen oder auf leeren Magen (siehe oben) erfolgt, damit immer etwa gleich viel Wirkstoff in den Körper aufgenommen werden kann. Die beste Compliance (d.h. die Einhaltung der Therapie durch den Patienten) wird mit einer 1 mal täglichen Einnahme erreicht.

Was heisst 2 mal täglich?

2 mal täglich heisst in den meisten Fällen morgens und abends, damit der Wirkstoff regelmässig über den Tag verteilt eingenommen wird. Es gibt einige wenige Medikamente, die weil sie anregend wirken morgens und mittags eingenommen werden müssen (z.B. Tonoglutal, ein Aminosäuren Präparat bei Müdigkeit und Konzentrationsschwäche).

Was heisst 3 mal täglich?

Meist kann eine 3 mal tägliche Einnahme mit oder zwischen den 3 Hauptmahlzeiten, also morgens, mittags und abends oder vormittags, nachmittags und vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Wenn es sich um einen Wirkstoff handelt, bei dem ein Absinken unter einen kritischen Blutspiegel gefährlich ist, wie z.B. bei den oben beschriebenen Penicillin Antibiotika, muss die 3 mal tägliche Einnahme regelmässig über die 24 Stunden des Tages verteilt werden, man muss also alle 8 Stunden 1 Tablette einnehmen. Wir sind bestrebt, die Dosieretiketten immer genau anzuschreiben, wir schreiben also nicht einfach „3 mal täglich“, sondern entweder „alle 8 Stunden“ oder „morgens, mittags und abends mit den Mahlzeiten“ usw.

Einnahmehilfen

Für Patienten, die täglich mehrere Medikamente einnehmen müssen, gibt es elegante Lösungen, die die korrekte und zuverlässige Einnahme erleichtern:

Medikamenten-Dosiersysteme

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Die Dosierboxen gibt es in allen Grössen, Formen und Farben und sind zur Abfüllung durch einen Apotheker, den Patienten selbst oder seine Angehörigen geeignet. Praktisch sind die Wochen-Dosierboxen, bei denen sich die einzelnen Tage herausnehmen lassen.

Tablettenteiler

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Wenn Halbe oder gar Viertel Tabletten eingenommen werden müssen, helfen die praktischen Tablettenteiler, die exakten Dosierungen ohne Zerkrümeln oder Zerbrechen der Tabletten herzustellen.

Medifilm®

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Medifilm® ist eine individuelle Verpackung für die regelmässige Einnahme von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln für Dauerpatienten.

Die Tabletten und Kapseln werden gemäss den Eingaben unserer Apotheke maschinell durch die Firma Medifilm AG gerüstet. Die Medikamente, die gleichzeitig eingenommen werden müssen, sind in einem Beutel verpackt. Jeder Beutel ist beschriftet mit dem Namen des Patienten, dem Einnahmezeitpunkt, der Anzahl, dem Namen und Zweck der Tabletten sowie einer optischen Beschreibung derselben. Die aneinandergereihten Portionen sehen aus wie ein gerollter Filmstreifen. Die Einnahmezeiten der Medikamente können frei definiert und eine beliebige Anzahl Beutel pro Tag erstellt werden. Die Arbeitsabläufe in der Medifilm AG sind auf eine Nullfehlerstrategie ausgerichtet. Zu jedem Arbeitsschritt ist eine Fehlerkontrolle eingebaut.

Polymedikations Check

Wir bieten unseren Kunden, die auf ärztliche Verordnung mindestens vier verschiedene Medikamente während mindestens drei Monaten einnehmen müssen einen Polymedikations Check an. Das ist ein persönliches Gespräch mit einer Apothekerin oder einem Apotheker, bei dem die medikamentöse Behandlung und ihre Probleme besprochen und individuelle Lösungen wie z.B. eine Medikamenten-Dosierbox vorgeschlagen werden. Sowohl der Polymedikations Check wie auch die Medikamenten-Dosierbox können über die Grundversicherung der Krankenkasse abgerechnet werden.